Kammer-Revision

Wie viele Kammern gibt es in Deutschland?

Deutschland hat über 150 öffentlich-rechtliche Kammern mit rund 8–9 Millionen Pflichtmitgliedern. Diese Übersicht ordnet sie in fünf Gruppen – mit Aufgabe, Mitgliedschaftsart und Rechtsgrundlage.

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Modernes Verwaltungsgebäude im Berliner Regierungsviertel

Kaum jemand kann auf Anhieb sagen, wie viele Kammern es in Deutschland gibt – und genau das ist Teil des Problems. Tatsächlich existieren hierzulande über 150 öffentlich-rechtliche Kammern. Sie sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts organisiert, nehmen gesetzlich übertragene Aufgaben wahr und finanzieren sich überwiegend über Pflichtbeiträge ihrer Mitglieder. Zusammen vertreten sie schätzungsweise 8 bis 9 Millionen Pflichtmitglieder – fast die gesamte selbstständige und freiberufliche Wirtschaft Deutschlands.

Was ist eine Kammer überhaupt?

Eine Kammer ist keine private Interessengruppe und kein Verein, dem man frei beitritt. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht zur Selbstverwaltung. Der Staat überträgt ihr bestimmte Aufgaben – etwa die Organisation der Berufsausbildung, die Zulassung zu einem Beruf oder die Vertretung der Gesamtinteressen eines Wirtschaftszweigs – und stattet sie dafür mit hoheitlichen Befugnissen aus. Dazu gehört in den meisten Fällen die Befugnis, von ihren Mitgliedern Pflichtbeiträge zu erheben.

Genau aus dieser Konstruktion folgt die zentrale Frage von Kammer-Revision: Wer eine Pflichtabgabe verlangt, muss belegen können, dass er seinen gesetzlichen Auftrag erfüllt. Warum diese Mitgliedschaft verpflichtend ist, erklären wir auf der Seite Warum gibt es eine Pflichtmitgliedschaft?.

Die fünf großen Kammergruppen

Die deutsche Kammerlandschaft lässt sich in fünf Gruppen ordnen. Sie unterscheiden sich nach Zielgruppe, Aufgabe, Rechtsgrundlage und danach, ob die Mitgliedschaft Pflicht oder freiwillig ist.

1. Wirtschaftskammern

Sie vertreten Unternehmen und Selbstständige. Hierzu zählen die zahlenmäßig größten Kammern überhaupt: die Industrie- und Handelskammern (IHKs) und die Handwerkskammern (HWK).

Wirtschaftskammern: Aufgabe, Mitgliedschaft und Rechtsgrundlage
KammerAufgabeMitgliedschaftRechtsgrundlage
Industrie- und Handelskammern (IHK)Vertreten Gewerbebetriebe (außer Handwerk, Landwirtschaft, freie Berufe)PflichtIHKG
Handwerkskammern (HWK)Handwerksbetriebe, Ausbildung, MeisterprüfungPflichtHandwerksordnung (HwO)
LandwirtschaftskammernBeratung, Förderung und Verwaltung der LandwirtschaftPflicht in mehreren LändernLandesgesetze
Architekten- und IngenieurkammernBerufszulassung, Bauordnung, WettbewerbePflichtArchG / IngG der Länder

2. Freiberufliche Kammern

Diese Kammern regeln Berufszugang, Berufsrecht und die Aufsicht über die klassischen freien Berufe. Die Mitgliedschaft ist hier durchweg Pflicht – wer den Beruf ausüben will, muss Kammermitglied sein.

Freiberufliche Kammern nach Berufsgruppe
KammerBerufsgruppeRechtsgrundlage
ÄrztekammernÄrztinnen und ÄrzteHeilberufsgesetze der Länder
ZahnärztekammernZahnärzteLandesheilberufsgesetze
ApothekerkammernApothekerLandesheilberufsgesetze
TierärztekammernTierärzteLandesrecht
PsychotherapeutenkammernPsychologische PsychotherapeutenLandesrecht
RechtsanwaltskammernRechtsanwälteBRAO (Bundesrechtsanwaltsordnung)
PatentanwaltskammerPatentanwältePAO (Patentanwaltsordnung)
SteuerberaterkammernSteuerberaterStBerG (Steuerberatungsgesetz)
Wirtschaftsprüferkammer (WPK)WirtschaftsprüferWPO (Wirtschaftsprüferordnung)
NotarkammernNotareBNotO (Bundesnotarordnung)

3. Bildung, Technik und sonstige Fachkammern

In diese Gruppe fallen vor allem die Ingenieur- und Architektenkammern der Länder, die Berufsrecht, Bauwesen und Gutachterwesen regeln. Daneben gibt es Zusammenschlüsse, die – anders als die klassischen Kammern – keine gesetzliche Grundlage haben und auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhen (etwa im Medien- und Journalismusbereich). Solche freiwilligen Verbände sind streng genommen keine Pflichtkammern.

4. Landwirtschaft und Natur

Landwirtschaftskammern bestehen nicht in allen Bundesländern. Wo es sie gibt – etwa in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein oder dem Saarland – übernehmen sie Beratung, Aus- und Weiterbildung, Tierhaltungsfragen und Aufgaben der Agrarförderung. In einigen Ländern sind Bereiche wie Forst- oder Weinbau in diese Kammern integriert.

5. Sonder- und Dachkammern

Über den regionalen Kammern stehen die Spitzen- und Dachorganisationen. Sie koordinieren die Landeskammern und vertreten den jeweiligen Bereich auf Bundesebene.

Dach- und Spitzenorganisationen
OrganisationBereichBesonderheit
DIHKDachverband aller IHKsSeit 2023 selbst Körperschaft öffentlichen Rechts (DIHK-Gesetz)
Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)Dachverband der HandwerkskammernSpitzenorganisation
BundesärztekammerDachverband der LandesärztekammernKeine Pflichtmitgliedschaft, zentrale Koordination
Bundesarchitekten-/BundesingenieurkammerDachverbändeKoordinieren die Landesorganisationen

Warum es überhaupt so viele einzelne Kammern und Dachverbände gibt, hat historische und föderale Gründe – das vertiefen wir unter Warum gibt es so viele Kammern?.

Wie viele Mitglieder hat das Kammersystem?

Eine exakte Gesamtzahl ist schwer zu nennen, weil die Kammern getrennt zählen und manche Mitglieder mehreren Kammern angehören. Die Größenordnung lässt sich aber gut abschätzen:

Geschätzte Größenordnung der Kammerlandschaft
BereichAnzahl Kammern (ca.)Mitglieder (ca.)
Wirtschaft (IHK, HWK, Landwirtschaft)ca. 80~6 Mio. Unternehmen
Freie Berufe (Ärzte, Anwälte, Steuerberater …)ca. 60~2 Mio. Berufsangehörige
Sonstige Fachkammernca. 10variabel

Größenordnungen, gerundet. Zahlen variieren je nach Quelle und Stichtag; die exakte Mitgliederzahl je Kammer kann sich jährlich ändern. Stand: 2026.

Insgesamt sind es über 150 Kammern, die zusammen rund 8 bis 9 Millionen Pflichtmitglieder zählen – überwiegend mit Zwangsbeiträgen. Wie diese Beiträge berechnet und erhoben werden, erklärt die Seite Wie hoch sind die Kammerbeiträge?.

Warum diese Übersicht wichtig ist

Die schiere Zahl der Kammern und ihre unterschiedliche Organisation führen dazu, dass kaum ein Mitglied den Überblick hat – und damit auch nicht prüfen kann, ob die eigene Kammer ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt. Genau hier setzt Kammer-Revision an: Wir machen die Leistung einzelner Kammern vergleichbar. In der Kammer-Datenbank findest du erfasste Kammern mit Transparenz-Score, Antwortquote und Beitragsniveau – ausgewertet aus realen Auskunftsersuchen.

Häufige Fragen

Wie viele Kammern gibt es in Deutschland?

Es gibt über 150 öffentlich-rechtliche Kammern. Sie lassen sich in fünf Gruppen einteilen: Wirtschaftskammern (IHK, HWK, Landwirtschaft), freiberufliche Kammern (Ärzte, Anwälte, Steuerberater u.a.), Bildungs- und Fachkammern (Architekten, Ingenieure), Landwirtschafts- und Naturkammern sowie Sonder- und Dachkammern.

Wie viele Menschen sind Pflichtmitglied in einer Kammer?

Schätzungen gehen von 8 bis 9 Millionen Pflichtmitgliedern aus – rund 6 Millionen Unternehmen in den Wirtschaftskammern und etwa 2 Millionen Berufsangehörige in den freiberuflichen Kammern. Eine exakte Gesamtzahl ist schwer zu nennen, weil die Kammern getrennt zählen.

Was ist der Unterschied zwischen IHK und Handwerkskammer?

Die IHK vertritt Gewerbebetriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung; die Handwerkskammer ist für Handwerksbetriebe zuständig und organisiert u.a. Meisterprüfung und Ausbildung. Welche Kammer zuständig ist, hängt davon ab, ob ein Betrieb dem Handwerk zugeordnet wird (HwO) oder nicht (IHKG).

Sind alle Kammern Pflichtkammern?

Die allermeisten ja. IHK, HWK, Ärzte-, Anwalts-, Steuerberater- und weitere Berufskammern haben Pflichtmitgliedschaft. Es gibt jedoch auch freiwillige Zusammenschlüsse ohne gesetzliche Grundlage (etwa im Medienbereich); diese sind keine Pflichtkammern.

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