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Kammer-Revision
Methodik & Quellen · bffk-Kammerberichte

Wie wir die Kammerberichte lesen

Der Bundesverband für freie Kammern e. V. (bffk) wertet seit 2012 jährlich die Wirtschaftspläne und Bilanzen der deutschen Pflichtkammern aus und veröffentlicht sie als Kammerbericht. Wir geben diese Zahlen wieder und rechnen vier Quoten daraus. Beides steht auf dieser Seite: die Herleitung und ihre Grenzen. Wer nachrechnen will, soll nachrechnen können — auch und gerade die Kammern.

Bestand: 288 Kammern aus 15 Kammertypen, Datenjahre 2010–2025, aus 14 Kammerberichten. Für 209 dieser Kammern ist das die erste Finanzkennzahl überhaupt in diesem Portal.

Was die Kammerberichte sind

Der bffk fragt jedes Jahr alle Pflichtkammern nach ihren Haushalts- und Bilanzzahlen und trägt zusammen, was er bekommt oder öffentlichen Unterlagen entnehmen kann. Das Ergebnis ist ein Bericht je Jahrgang mit Tabellen für Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und die berufsständischen Kammern — und mit einer Liste derjenigen, die nicht geantwortet haben.

Es sind Eigenangaben der Kammern. Der bffk hat sie zusammengetragen, nicht geprüft und nicht testiert; wir spiegeln sie und rechnen sie um. Diese Zurechnung steht so unter jeder Zahl auf diesen Seiten.

8 Regeln beim Lesen

Jede dieser Regeln ist eine Art, aus diesen Daten einen falschen Chart zu bauen. Sie stehen hier, weil wir uns daran halten — und damit nachvollziehbar ist, woran.

  1. 1

    Plan ist nicht Ist

    IHK + HWK = Wirtschaftsplan · alle übrigen Kammern = Jahresabschluss

    Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern melden dem bffk ihre Wirtschaftsplanwerte — was sie veranschlagt haben, nicht was sie abgeschlossen haben. Die berufsständischen Kammern melden Ist-Werte. Gegen die Ist-Zahlen von IHKtransparent weichen die Planwerte im Median um 5,6 % ab. Deshalb steht die Grundlage in der Achsenbeschriftung und nicht in einer Fußnote, und deshalb entsteht keine Quote aus einem Plan-Zähler und einem Ist-Nenner.

  2. 2

    Berichtsjahr ist nicht Datenjahr

    Kammerbericht JJJJ = Wirtschaftsplan JJJJ + Jahresabschluss JJJJ−2

    Ein Kammerbericht druckt nebeneinander, was für das laufende Jahr geplant und was für das vorletzte Jahr abgeschlossen wurde. Alle Jahreszahlen auf unseren Seiten sind Datenjahre — also das Jahr, das die Zahl beschreibt. Das Berichtsjahr steht in der Quellenangabe, weil es die Fundstelle ist: nachschlagen lässt sich die Zahl nur dort.

  3. 3

    Jede Quote bleibt in einem Datenjahr

    Zähler und Nenner aus demselben Jahr, sonst keine Quote

    Das Eigenkapital ist bis 2023 ausgewiesen, der Wirtschaftsplan läuft bis 2025. Eine Kennzahl aus dem jüngsten Eigenkapital und den jüngsten Ausgaben würde zwei Jahre zusammenrechnen, die nichts miteinander zu tun haben. Jede Quote sucht sich deshalb das jüngste Jahr, in dem sie vollständig ist, und nennt dieses Jahr — weshalb zwei Karten derselben Kammer verschiedene Jahre tragen können.

  4. 4

    Die Kohortenfalle

    n je Jahr steht am Chart, nicht in der Legende

    Die ausgewiesenen Rücklagen aller IHKs fallen von 1,40 Mrd. € (2014, 79 Kammern) auf 0,42 Mrd. € (2023, 58 Kammern). Das ist kein Vermögensabbau: 21 Kammern weisen den Posten nicht mehr getrennt aus. Das Eigenkapital liegt im selben Zeitraum durchgehend bei 1,5 bis 2,0 Mrd. € — bei voller Abdeckung. Wer die Rücklagensumme als Vermögensreihe zeichnet, malt einen Rückgang, den es nicht gibt. Deshalb führt jede Summen- und Medianreihe hier ihr n je Jahr mit, und die Leitgröße für Vermögen ist das Eigenkapital.

  5. 5

    „k. A." ist keine Null

    kein Wert → keine Zeile → kein Punkt

    Veröffentlicht eine Kammer eine Zahl nicht, entsteht gar kein Datensatz. Jahressummen sind deshalb Summen der veröffentlichten Werte, nie der tatsächlichen. Bei den Handwerkskammern fehlen je nach Jahrgang 9 bis 15 Kammern vollständig. Diese Lücke ist selbst ein Befund und wird als solcher ausgewiesen, nicht mit einer Null gefüllt.

  6. 6

    Mindestkohorte

    Verteilung ab 8 Kammern · Medianpunkt ab 5 Kammern

    Die Kammertypen sind sehr unterschiedlich abgedeckt — 79 IHKs stehen 2 Pflegekammern gegenüber. Ein Median aus fünf Kammern ist kein Median, eine Verteilung aus sieben Punkten keine Verteilung. Panels unter diesen Schwellen erscheinen nicht; an ihrer Stelle steht, warum.

  7. 7

    Ein Nenner, durch den man teilen kann

    Ausgaben eines Jahres außerhalb Faktor 2,5 zum eigenen Median → keine Quote für dieses Jahr

    Die Extraktion ist zeichengenau gegen die Textebene der PDFs geprüft — das beweist, dass eine Zahl so im Bericht steht, nicht dass sie in der richtigen Spalte gelandet ist. Bei 35 von rund 2.700 Kammerjahren liegen die Ausgaben weiter als um den Faktor 2,5 vom eigenen Median der Kammer entfernt, oft mit Einnahmen und Ausgaben auf den Cent identisch — die Signatur einer verrutschten Spalte. Die IHK Köln steht dort für 2023 mit 2.565.864 € Einnahmen und Ausgaben zwischen 43,9 Mio. € (2022) und 48,9 Mio. € (2024); geteilt hätte das 21,49 Jahresbudgets Eigenkapital ergeben. Solche Jahre liefern deshalb keine Quote. Die veröffentlichten Eurobeträge selbst bleiben unverändert stehen: sie sind die Zahl der Kammer, die Quote wäre unsere Rechnung.

  8. 8

    Spiegeln, nicht korrigieren

    Quellwert bleibt Quellwert

    Wir geben wieder, was im Kammerbericht steht. Wo eine Zahl offensichtlich nicht stimmen kann, korrigieren wir sie nicht, sondern halten sie aus den Auswertungen heraus und sagen, welche und warum (siehe unten). Eine stillschweigend „reparierte" Zahl wäre nicht mehr die Zahl der Kammer.

Die vier Quoten

Mehr rechnen wir aus dieser Quelle nicht. Warum es nicht mehr sind, steht im Abschnitt darunter. Der Rechtsanker hängt am Kammertyp — für IHKs und Handwerkskammern gibt es eine Norm, die den Haushalt ausdrücklich an die gesetzlichen Aufgaben bindet; für die berufsständischen Kammern nennen wir die Entscheidung, die kammerübergreifend trägt, statt einen Landesparagrafen zu raten.

Eigenkapital in Jahresbudgets

niedriger ist besser

Eigenkapital gesamt ÷ Ausgaben desselben Datenjahres

Wie viele Jahresbudgets die Kammer an Eigenkapital ausweist.

Die belastbarste Vermögensreihe dieser Quelle: das Eigenkapital ist über alle Jahrgänge hinweg nahezu vollständig ausgewiesen, die Rücklagen sind es nicht.

BVerwG, 22.01.2020 Überhöhte Rücklagen und Vermögensbildung ohne Aufgabenbezug sind unzulässig.

Rücklagen in Jahresbudgets

niedriger ist besser

Rücklagen ÷ Ausgaben desselben Datenjahres

Wie viele Jahresbudgets die Kammer ausdrücklich als Rücklage ausweist.

IHK und HWK weisen eine Zeile „Rücklagen gesamt" aus, die berufsständischen Kammern eine Zeile „Rücklagen" — dieselbe Größe in zwei Tabellenlayouts. Wo eine Kammer den Posten nicht ausweist, bleibt die Zahl leer; ein Ersatzwert wird nicht berechnet.

BVerwG, 22.01.2020 Überhöhte Rücklagen und Vermögensbildung ohne Aufgabenbezug sind unzulässig.

Pensionsrückstellungen in Jahresbudgets

niedriger ist besser

Pensionsrückstellungen ÷ Ausgaben desselben Datenjahres

Wie viele Jahresbudgets an zugesagten Versorgungsleistungen gebunden sind.

Nur IHK und HWK — die Tabellen der berufsständischen Kammern führen die Position nicht.

Rückstellungen sind zugesagte Versorgungsleistungen, keine frei verfügbaren Mittel. Aussagekräftig ist die Entwicklung, nicht die absolute Höhe.

BVerwG, 22.01.2020 Überhöhte Rücklagen und Vermögensbildung ohne Aufgabenbezug sind unzulässig.

Haushaltssaldo

ohne Wertung

Saldo ÷ Einnahmen desselben Datenjahres

Welcher Anteil der Einnahmen als Überschuss oder Fehlbetrag ausgewiesen ist.

Weder Überschuss noch Fehlbetrag ist für sich genommen ein Befund. In 23 Fällen widerspricht der gedruckte Saldo der Differenz aus Einnahmen und Ausgaben — meist ein fehlendes Minuszeichen im Druck. Wir übernehmen den gedruckten Wert und korrigieren ihn nicht.

BVerwG, 22.01.2020 Überhöhte Rücklagen und Vermögensbildung ohne Aufgabenbezug sind unzulässig.

Was diese Quelle nicht hergibt

Die Kammerberichte werten Wirtschaftspläne und Bilanzen aus — und dort im Wesentlichen die Passivseite. Alles, was auf der IHK-Seite größenbereinigt oder als Leistungsquote erscheint, hängt an Zählern und Nennern, die es hier nicht gibt. Diese Kennzahlen fehlen deshalb nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil ihre Eingangsgrößen nicht existieren.

  • Nicht enthalten: Aktiva (Anlage- und Umlaufvermögen)

    Die Berichte werten die Passivseite aus. Es gibt daher keine Vermögensübersicht und kein „Vermögen je Mitglied".

  • Nicht enthalten: Personalaufwand

    Keine Personalaufwandsquote — der Zähler existiert in dieser Quelle nicht.

  • Nicht enthalten: Beschäftigte, Vollzeitäquivalente

    Keine Verwaltungsdichte und keine Pensionsrückstellung je Stelle.

  • Nicht enthalten: Leistungsdaten (Auszubildende, Gründerberatungen, Prüfungen)

    Keine Förderleistung je Ertrags-Euro. Damit ist auch die IHK-Schere aus Personalaufwand und betreuten Auszubildenden mit dieser Quelle nicht nachbaubar — wir bauen sie deshalb nicht ersatzweise aus ähnlich aussehenden Reihen nach.

  • Nicht enthalten: Gebührenerträge

    Keine Gebührenquote und keine Beitragsabhängigkeit: die Berichte zeigen nur Einnahmen insgesamt, ohne den Split nach Herkunft.

  • Nicht enthalten: Ehrenamtsträger

    Kein Verhältnis von Ehrenamt zu Hauptamt.

  • Nicht enthalten: Beitragserträge, Durchschnittsbeitrag

    Kein „Beitrag je Mitglied". Die Mitgliederzahl liegt zwar vor, ist aber ein Stichtag ohne Zeitreihe — „Einnahmen je Mitglied" über vierzehn Jahre wäre die Einnahmenkurve mit einem falschen Etikett. Den vollständigen Beitragsvergleich veröffentlicht der bffk separat auf seiner Website.

  • Nicht enthalten: Ein Bürokratie-Index

    Unser Index beruht auf vier Komponenten, von denen drei hier fehlen. Ein Index aus zwei Bestandteilen, der aussieht wie der aus vieren, wäre eine Falschaussage — es gibt deshalb keinen bffk-Index, auch keinen reduzierten.

Warum hier Werte und ganze Charts fehlen

Kammern melden dem bffk unregelmäßig. Für dieselbe Kennzahl liegt bei der einen Kammer ein Wert aus 2025 vor, bei der nächsten der letzte aus 2015 — und dazwischen nichts. Man könnte daraus eine lückenlose Tabelle bauen, indem man je Kammer den jeweils jüngsten Wert nimmt. Das tun wir nicht.

Wir vergleichen keine Jahrgänge miteinander. Jede Spalte, jeder Median, jeder Balken und jeder Platz auf einem Kammerzeugnis steht in genau einem Datenjahr. Der Grund ist nicht Prinzipienreiterei: Der Vergleichsmaßstab selbst wandert. Der Median des Eigenkapitals der Handwerkskammern liegt 2015 bei 0,47 Jahresbudgets, 2019 bei 0,79 und 2023 bei 0,95 — er hat sich in acht Jahren gut verdoppelt. Eine Kammer mit einem Wert von 2015 an diesem Maßstab zu messen, ergäbe eine Bewertung gegen ein Feld, in dem sie nie angetreten ist.

Auch die Quelle selbst schreibt Werte nicht fort: Von den 40 IHKs, die im Kammerbericht 2024 und 2025 Pensionsrückstellungen ausweisen, nennen nur 3 in beiden Jahren dieselbe Zahl. Eine Lücke ist also eine echte Lücke und kein Erfassungsfehler.

Deshalb: Wo ein Datenjahr zu wenige Kammern hat, zeichnen wir keine Verteilung, nennen keinen Median und vergeben keinen Platz — und schreiben hin, warum. Leere Zellen bleiben leer. Die Lücke ist nicht das Versäumnis der Auswertung, sie ist der Befund über eine Kammerlandschaft ohne Veröffentlichungspflicht.

Zwei Zahlen, die wir nicht veröffentlichen

Wir korrigieren keine Quellwerte. Wo eine Zahl aber so weit außerhalb liegt, dass sie eine ganze Summe verschieben würde, halten wir sie aus den Auswertungen heraus und sagen hier, welche und warum. Im Datenbestand steht sie unverändert.

Ärztekammer Westfalen-Lippe

Für das Bilanzjahr 2018 weist der Kammerbericht 1,665 Mrd. € Eigenkapital aus — bei 30 Mio. € Jahreseinnahmen das 55-fache, und 2023 stehen dort wieder 10,2 Mio. €.

Naheliegend ist, dass die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe mitbilanziert wurde. Geprüft haben wir das nicht, deshalb erscheint der Wert in keiner Auswertung. Verändert haben wir ihn nicht — er steht so im Bericht.

Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Für das Bilanzjahr 2018 stehen 579 Mio. € Eigenkapital bei 202 Mio. € Ausgaben — 2,9 Jahresbudgets, das Vierfache der nächsthöchsten Landwirtschaftskammer, und der einzige Jahrgang mit dieser Angabe.

Ohne einen zweiten Jahrgang lässt sich der Wert nicht gegen die Kammer selbst prüfen. Bis das geschehen ist, bleibt er aus den Auswertungen heraus — unverändert im Bestand.

Abdeckung je Kammertyp

Aus dem Datenbestand selbst erzeugt — diese Tabelle kann keine Abdeckung behaupten, die wir nicht haben. „Grundlage“ sagt, ob die Haushaltszahlen dieses Typs Wirtschaftsplan- oder Abschlusswerte sind.

KammertypKammern mit ZahlenDatenjahreGrundlageauf der Verweigererliste
IHK79 von 792010–2025Wirtschaftsplan0
HWK53 von 532011–2025Wirtschaftsplan0
Rechtsanwaltskammer25 von 282011–2023Jahresabschluss17
Sonstige21 von 272011–2023Jahresabschluss16
Ärztekammer16 von 172011–2023Jahresabschluss7
Notarkammer12 von 212012–2023Jahresabschluss15
Steuerberaterkammer12 von 212011–2023Jahresabschluss18
Zahnärztekammer11 von 172012–2023Jahresabschluss15
Apothekerkammer11 von 172011–2023Jahresabschluss12
Architektenkammer11 von 162011–2023Jahresabschluss12
Psychotherapeutenkammer10 von 122011–2023Jahresabschluss9
Tierärztekammer9 von 172011–2023Jahresabschluss16
Ingenieurkammer9 von 152011–2023Jahresabschluss10
Landwirtschaftskammer7 von 72011–2023Jahresabschluss4
Pflegekammer2 von 22021–2023Jahresabschluss1

Die 14 Berichte

Jede Zahl auf diesen Seiten stammt aus einem dieser Dokumente, und jede einzelne Karte verlinkt den Bericht, aus dem ihre Zahl kommt. Ein Bericht JJJJ enthält den Wirtschaftsplan für JJJJ und den Jahresabschluss für JJJJ−2 — deshalb ist die Jahreszahl im Titel des Berichts nicht die Jahreszahl der Zahl.

Alle Berichte und der separat veröffentlichte Beitragsvergleich stehen beim Bundesverband für freie Kammern e. V. (bffk).